Geiz ist geil - Wer bietet weniger?

Das Gebot sparsamen Wirtschaftens betrifft auch die privaten Krankenversicherer - deshalb ist es zumindest nachvollziehbar, wenn Versicherungs-Manager die Idee haben,  medizinische Leistungen zu ersteigern. Bei eBay und ähnlichen Portalen macht das Ersteigern sogar Spaß und keiner muss darunter leiden.

Wenn die Ergo-Versicherung jetzt aber  Heil- und Kostenpläne ohne die dazugehörende Diagnostik an Auktionsportale weiterleitet, dann ist die Grenze der Anständigkeit deutlich überschritten. Natürlich geht es nicht um Dienstleistung für den Patienten oder darum, überzogene Honorarforderungen (so etwas soll tatsächlich vorkommen!) an den Patienten abzuwenden.

Hier geht es schlicht und ergreifend um Profit. Und das zu Lasten der Patienten. Durch die  Dumpingpreise einiger Zahnmediziner wird selbstverständlich auch die vom Versicherer zu erbringende Versicherungsleistung reduziert. Nebenbei ist der Akquiseeffekt für Neukunden und Schnäppchenjäger  für die Ergo nicht zu unterschätzen und ganz sicher beabsichtigt. Zumal der übermittelte Heil- und Kostenplan die Risikoeinschätzung bequemerweise gleich mitliefert.

Wie es um die Qualität derartiger Versorgungen bestellt ist, interessiert nicht. Ethische Prinzipien sind Versicherern wie der Ergo eher fern, das wissen wir spätestens seit den publik gewordenen Bonus(Lust)reisen  der Aktivisten dieser Gesellschaften nach Budapest oder Brasilien.

Konsequenterweise kann man ja ein Ranking der billigsten Zahnarztpraxen ins Netz stellen, dann könnten sich einige Versicherer das ganze Auktionsprocedere sparen. Wir Zahnärzte sollten uns wirklich noch mal über die Rolle der Gebührenordnungen in Deutschland klar werden! Und wenn dann keiner mehr da ist, der mitbietet hätte ich noch einen Vorschlag:

Als Ergomanager würde ich alle Kompetenzen bündeln und somit 1. Sonderpreise bei den Billigfliegern verhandeln, 2. die Patienten dann nach China, Albanien, Brasilien  oder Ungarn schicken. Dabei ließe sich richtig Geld sparen. Außerdem könnte man die touristische  Erfahrung in diesen Ländern verwerten und den Patienten in der Turbo-Abheilphase noch etwas Ablenkung verschaffen. Das wäre dann immer noch billiger als qualitätsorientierte Zahnheilkunde made in Germany!

Mal im Ernst: Wer trägt denn in erster Linie den Schaden dieses Geschäftsgebarens davon? Nicht die Versicherer; auch nicht die Zahnärzte, sondern unsere Patienten die sich nicht wehren können, gegen den Billigpfusch, den sie dann möglicherweise eingesetzt bekommen. Die zu heilen wäre dann wiederum eine Aufgabe für die Solidargemeinschaft....

Dr. Matthias Stumpf